Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren

In der Zeit zwischen 6 und 12 Jahren geschieht ein erstes Loslösen von der Familie, die Kinder entwickeln sich zu einem Mitglied der Gesellschaft. Die Kinder sind in dieser Phase stabiler als während der Kindergartenzeit oder später als Jugendliche. Sie sind heiter, wissbegierig und arbeitsfreudig. Ihre Persönlichkeit ist bereits entwickelt, sie sind körperlich und emotional nicht mehr so verletzlich und halten viel aus. Kinder in dieser Zeit haben Freude an der „großen Arbeit“. Sie lassen sich auf alles gern ein, was groß ist. Schulkinder denken auch „groß“ und sind fähig zu großer Arbeit.

Physische Aspekte

Mit dem Zahnwechsel sind die Kinder bereit für die zweite Entwicklungsstufe. Die meisten Kinder sind stolz auf ihren Zahnausfall, denn er bedeutet „ich wachse“ oder „ich gehöre jetzt zu einer neuen Gruppe“. Auch die Haare können sich stark verändern, so können z.B. gelockte Haare glatt werden oder sich blonde Haare in braune verwandeln.

Die Körperproportionen verändern sich, das Kindchen-Schema verschwindet. Die Beine werden länger und kräftiger. Die Kinder wollen sich bewegen, haben beispielsweise Freude an langen, ausdauernden Wanderungen. Auch die Kondition wird wesentlich höher. Die Kinder muten sich selbst viel zu, erreichen aber ihre hohen, selbstgesteckten Ziele zumeist auch.

Geistige Aspekte

Der Geist von 6- bis 12-jährigen Kindern lässt sich als ergründender, argumentierender und diskutierender Geist bezeichnen. Schulkinder wollen ihren Verstand anwenden, sie wollen Zusammenhänge durchschauen. Lernen vollzieht sich nicht mehr nur rein sensomotorisch. Schulkinder brauchen v.a. ihr Hirn, sie wollen denken. Das Interesse übersteigt das unmittelbar sensorisch Erfahrbare.

Das Schulkind interessiert sich für die Ordnung des Universums, für die Zusammenhänge und für die dahinter liegenden Gesetze. Ordnung heißt auf Griechisch „Kosmos“, daher heißt das Schulkonzept von Maria und Mario Montessori „Kosmische Erziehung“ als Antwort auf den Verstand der 6- bis 12-jährigen. Man kann von einer regelrechten Gier nach Wissen und intellektueller Eroberung sprechen.

Die Vorstellungskraft ist das Werkzeug, das das Kind mitbringt. Die Imaginationskraft ist unsere Fähigkeit, etwas nur im Verstand zu bewältigen, weil es den Sinnen nicht mehr zugänglich ist. Schulkinder entwickeln die Fähigkeit zu abstraktem Denken.

Moralische Aspekte

Schulkinder arbeiten am Verständnis von Gut und Böse und entwickeln einen moralischen Codex: Sie klassifizieren Verhalten, wollen wissen, was richtig und was falsch ist. Schulkinder lieben Regeln, sie machen sich selbst welche aus und wollen sich an die Vereinbarungen halten – sie müssen diese Regeln aber auch verstehen. Es gibt große Empörung, wenn sich jemand nicht an vereinbarte Regeln hält.

Schulkinder sind sehr mitfühlend, großzügig, loyal – insbesondere zeigt sich eine hohe Loyalität der Gruppe gegenüber. Schulkinder suchen sich Vorbilder, sie sind bereit „Helden“ zu verehren. Daher erzählen wir ihnen von grandiosen Personen wie Montessori, Sokrates, Mozart,… Berühmte wie unbekannte Helden des Alltags aus der Vergangenheit und Gegenwart können zu den Helden unserer Schulkinder werden.

Soziale Aspekte

Schulkinder sagen, was sie sich denken, sie sind dabei nicht immer höflich. Sie halten voneinander mehr aus und teilen auch mehr aus. Ebenfalls charakteristisch ist die Gruppenbildung. Das Schulkind ist ein Gruppenwesen und Gruppendenker. Schulkinder denken am besten, wenn sie miteinander reden und kommunizieren können. Die Freiheit zur Kommunikation ist daher wesentlich, da Schulkinder die Möglichkeit brauchen zu verbalisieren, was sie denken.

Schulkinder haben große Affinität  zu Geld, sie spielen gern Geldspiele und möchten gern ihr eigenes Geld verdienen bzw. verwalten.

Emotionale Aspekte

Schulkinder sind geistig unabhängig. Ihr Gehorsam aus Einsicht meint, dass sie nicht nur gehorsam sind, weil die Mutter/der Lehrer etwas gesagt hat, sondern weil sie es verstanden haben und innerlich geistig zugestimmt haben. Sie sind emotional abgehärtet und können Kritik ertragen.

In Maria Montessoris Worten

„Die drei Merkmale – das Bedürfnis des Kindes, aus seinem engen Bereich herauszukommen, der Übergang seines Geistes zur Abstraktion und das Entstehen des moralischen Bewusstseins – dienen uns als Grundlage für den Erziehungsplan dieser zweiten Periode.“    Maria Montessori